Ein Bericht des Organisationsteams des Nachwuchsforums beim 38. Deutschen Kongress für Kunstgeschichte in München (25. – 28. Februar 2026)
Als Teil des 38. Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte, der 2026 unter dem Überthema „wissen“ stand, organisierte eine Gruppe von 14 jungen Münchner Kunsthistoriker:innen eine eigene Sektion, Ortstermine und einen Infostand, um den Nachwuchs zu vertreten.

An oberster Stelle galt es einen inhaltlichen Schwerpunkt innerhalb des Kongresses anzubieten, der explizit dem Nachwuchs eine Plattform für einen breiten fachlichen und persönlichen Austausch während und ergänzend zum Kongressprogramm ermöglichte. Ebenso wichtig war zudem Nachwuchswissenschaftler:innen eine Teilnahme am Kongress zu ermöglichen und ihnen durch die ständige Präsenz des Organisationsteams einen Orientierungspunkt zu geben.
Dass die Anreise und Unterbringung von 40 Bachelor-, Master- und Promotionsstudierenden aus Deutschland und der ganzen Welt gefördert werden konnten, war nur dank der großzügigen Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung möglich. Die Organisation und Durchführung des diesjährigen Nachwuchsforums erwiesen sich als außerordentlich produktiv und wurden vom Deutschen Verband für Kunstgeschichte engagiert unterstützt.
Den Auftakt des ersten Kongresstags bildeten drei Ortstermine des Nachwuchsforums, welche die Vielfalt kunsthistorischer Praxis und beruflicher Perspektiven greifbar machen sollten. Einer davon führte die Nachwuchswissenschaftler:innen ins Lenbachhaus, in dessen Mittelpunkt die vielfältigen Aufgabenbereiche des kuratorischen Arbeitens, die Anforderungen an das Berufsprofil sowie ein Blick hinter die Kulissen des Museumsalltags standen. Während in den Pinakotheken und im Museum Brandhorst Gespräche über kuratorische sowie sammlungsspezifische Vermittlungsstrategien geführt wurden, bot die Photothek des ZI Einblicke in eine der größten fotografischen Studiensammlungen der europäischen Kunstgeschichte. Hier präsentierten junge Wissenschaftler:innen ihre Projekte von Provenienzfragen bis zur Zeitschriftenforschung. Alle drei Ortstermine thematisierten, welche Kompetenzen für den jeweiligen Beruf wichtig sind und wie eine gezielte Vorbereitung auf den Einstieg in dieses Tätigkeitsfeld aussehen könnte.
Die Nachwuchs-Sektion am Freitagnachmittag begann mit einem fachlichen Schwerpunkt, in dem fünf Vortragende, ausgewählt aus internationalen Bewerbungen, in Kurzvorträgen ihre Forschungsthemen aus verschiedenen Epochen und geographischen Kontexten vorstellten. In den Beiträge spiegelte sich die produktive Spannung neuer Ansätze in der Kunstgeschichte: Methodische Reflexion, Interdisziplinarität, Neugier auf neue Forschungsansätze und die bewusste Verortung des eigenen Blickwinkels auf Kunst(-geschichten) zeigten ein vielversprechendes und vielseitiges Spektrum der nachrückenden Generation an Kunsthistoriker:innen.
Im Zentrum der Sektion standen die Fragen: Was treibt die junge wissenschaftliche Generation thematisch um? Wie positioniert sie sich in dem aktuellen kunsthistorischen Fachdiskurs? Welche Sorgen und Probleme begleiten den Nachwuchs in seinem Studien- und Promotionsalltag? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, entwickelte das Organisationsteam im Vorfeld eine Online-Umfrage, die das Thema der fachlichen Schwerpunkte, Herausforderungen und Probleme des Faches und der aktuellen Forschungs- und Förderpraxis erfasst. Die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden mehr als 200 Antworten bildeten die Grundlage für die zweite Hälfte der Sektion. Die Ergebnisse flossen in Form von Grafiken unmittelbar in die Podiumsdiskussion ein, in der Vertreter:innen aus Universität und Museum – Matilde Cartolari (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für allgemeine Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Kunst Italiens, Ludwig-Maximilians-Universität München), Sophie Junge (Vertretungsprofessorin für die Professur mit Schwerpunkt Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, Ludwig-Maximilians-Universität München) und Jochen Meister (Leitung Kunstvermittlung, Bayerische Staatsgemäldesammlungen) – gemeinsam mit Studierenden und Promovierenden diskutierten.
Die Auswertung und die Diskussion zeigten einerseits die Vielfalt des Faches, andererseits verdeutlichten sie ein wiederkehrendes Thema: die Forderung nach mehr Transparenz und Mitsprache in einer Disziplin, deren Zugänge häufig von institutioneller Tradition geprägt sind. Darüber hinaus wurden erschwerte Einstiegschancen und Stellenmangel benannt. Auch wurde die Relevanz des „Kanons“ der Kunstgeschichte kritisch verhandelt; zugleich wurde der deutliche Wunsch geäußert, plurale inhaltliche und methodische Ansätze stärker sichtbar zu machen, bewusster auf die Subjektivität von Kunstgeschichte(n) hinzuweisen und fachkritischer zu arbeiten.
Neben der akademischen Dimension entstand auf dem Kongress ein sozialer Raum für den Austausch über Persönliches, Forschung, Karriere und Zukunft. Der Infostand des Nachwuchsforums im Hauptgebäude wurde zum Treffpunkt, an dem sich Studierende, Promovierende und alle Interessierten über das Programm des Nachwuchsforums informieren konnten. Zur weiteren Vernetzung des Nachwuchses wurde der offizielle Rahmen durch einen informellen Barabend ergänzt, bei dem Gespräche fortgeführt wurden und eine lockere Vernetzung stattfinden konnte.
Es lässt sich das Fazit ziehen, dass das Nachwuchsforum seine zentralen Anliegen erfolgreich umsetzen konnte: Wissenschaftspraxis partizipativer zu gestalten, Studierende und Promovierende bewusst in etablierte Strukturen einzubeziehen und Vernetzung zu fördern. Im Sinne des Kongressmottos wurde Wissen dabei als geteilte Ressource und als Prozess verstanden, der vom Zuhören, vom Austausch und von intergenerationalen Begegnungen lebt. Dies spiegelt sich auch im durchweg positiven Feedback und in den pointierten Berichten der Geförderten wider, die verdeutlichen, wie wichtig solche Räume sind, um die Stimmen des wissenschaftlichen Nachwuchses sichtbar zu machen und nachhaltig im fachlichen Diskurs zu verankern.
Mach mit! Die Umfrage ist nach wie vor geöffnet. Eine schriftliche Auswertung wird zeitnah publiziert.
Das Organisationsteam des Nachwuchsforums:
Silvia Amadori, Anna Carrarini, Ann-Kathrin Fischer, Leon Krause, Jara Lahme, Elsa Li, Isabella Limmer, Elias Neuhaus, Lavinia Otters, Maria Rüegg, Peter Seeland, Kacper Stępień, Ricarda Vollmer, Olga Zielińska
Deutsche Kongress für Kunstgeschichte
Der Deutsche Kongress für Kunstgeschichte ist der größte kunsthistorische Fachkongress in Deutschland und findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. 2026 wurde er vom Deutschen Verband für Kunstgeschichte in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte und der Ludwig-Maximilians-Universität in München ausgerichtet. Das Nachwuchsforum ist seit 2015 fester Bestandteil des Forenprogramms und wird in der Regel von Studierenden der jeweiligen gastgebenden Universität ausgerichtet. Es versteht sich als Plattform zur Sichtbarkeit und Vernetzung der jungen Generation kunsthistorischer Forschung.


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