Birgit Jooss zu komplizierten Tauschgeschäften der Kunsthandlung Julius Böhler (I)

Die Geschäftsunterlagen der Münchner Kunsthandlung Julius Böhler offenbaren immer wieder Überraschungen. Derzeit werden die Karteikarten der Kunsthandlung in einer Datenbank erfasst, um sie für die Forschung besser nutzbar zu machen. Neben den Herausforderungen, die die manchmal nur schwer lesbaren, handschriftlichen Eintragungen mit sich bringen, geht es auch darum, die Informationen möglichst so aufzubereiten, dass Kunstwerke sowie die in ihren Handel involvierten Akteure eindeutig identifiziert werden können.Da aber die Karteien mit ihren Vermerken der Kunsthandlung nur als internes Nachweisinstrument dienten, die nicht für die Veröffentlichung – etwa in einem Verkaufskatalog – bestimmt waren, sind die Vermerke nicht selten flüchtig und kursorisch notiert.

Unsere Anfrage beim Badischen Landesmuseum verlief ins Leere. Der zweite Versuch bei der Kunsthalle Karlsruhe führte zur Rückfrage der dortigen Kollegin, gegen was denn der Lorrain getauscht worden sei.
Über Lagerbuch-Eintragungen konnten wir eruieren, dass das „Museum Karlsruhe“ gleich drei Werke in diesen Tausch einbrachte: Neben dem Gemälde von Lorrain noch eine mit 20.000 Reichsmark (RM) verbuchte Ruinenlandschaft von Francesco Guardi, die von Böhler noch am gleichen Tag für 25.000 RM weiterverkauft wurde, sowie ein Frauenporträt eines Meisters in der Nachfolge von Paris Bordone, das bis 1966 bei Böhler verblieb. Das Gemälde von Lorrain – mit 50.000 RM verbucht – wurde gut ein Jahr später, im Januar 1945, mit einer spektakulären Gewinnspanne für 150.000 RM an einen uns unbekannten Privatmann in Köln weiterverkauft – mit einem Drittel Gewinnbeteiligung durch den Händlerkollegen Karl Haberstock, der offenbar an der Finanzierung des Geschäftes beteiligt war.

Doch was war nun dem „Museum Karlsruhe“ so wichtig, um so einen wertvollen Lorrain einzutauschen?

… Die Antwort darauf gibt’s im nächsten Beitrag am Donnerstag zu lesen!

Dr. BIRGIT JOOSS ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und Projektleiterin des Forschungsprojekts „Händler, Sammler und Museen: Die Kunsthandlung Julius Böhler in München, Luzern, Berlin und New York. Erschließung und Dokumentation der gehandelten Kunstwerke 1903-1994“.