Iris Lauterbach über die Rolle historischer Villengärten für Stadtbild und Stadtklima

Der Garten ist wesentlicher Bestandteil einer Villa und bildet mit der Architektur eine gestalterische und künstlerische Einheit. Dieses seit der Antike tradierte Konzept des Zusammenspiels von Baukunst und gestalteter Natur bildet das konstituierende Merkmal der Villa. Bis heute gehört zum repräsentativen privaten Wohnen ein Garten oder Park.

illa Waldberta, Feldafing, 2017, Foto@Florian Schröter
Villa Waldberta, Feldafing, 2017, Foto: Florian Schröter
Blick vom Turm der Villa Waldberta, Feldafing, über den Starnberger See mit Alpenpanorama, 2017, Foto: Florian Schröter

Villengärten sind zudem prägende Elemente historischer Kulturlandschaften, ob in Berlin-Wannsee und Potsdam, in Baden-Baden, im Taunus, am Starnberger See oder im Murnauer Land. Sie sind jedoch durch bauliche Nachverdichtung aufgrund steigender Grundstückspreise und – ganz grundlegend – durch die Unkenntnis ihrer Geschichte und historischen Bedeutung zunehmend gefährdet.

Weder die Überlegung, dass Gärten das Stadtbild bereichern und das Stadtklima verbessern, noch die Klage über die Zerstörung von Gärten sind neu. Bereits in den Leitlinien für den städtebaulichen Generalplan zur Weiterentwicklung Münchens (1810) war die Anlage von Gärten gefordert worden, „welche durch Ausdünstung der Erde, der aromatischen Kräuter und des Blüthenduftes zur Luftverbesserung wesentlich beitragen“ (Zitiert nach: Richard Bauer (Hg.): Stadt und Vorstadt. Münchner Architekturen, Situationen und Szenen 1895-1935. Der Norden und Nordwesten, München 1990, S. 11) – eine Erkenntnis, die in Zeiten extremer Feinstaubbelastung der Großstädte nichts von ihrer Aktualität verloren hat. In München prangerte schon im frühen 20. Jahrhundert Stadtbaurat Hans Grässel die „größtmögliche rentierliche Ausnützung für Geschäftszwecke“ (München und seine Bauten, hg. vom Bayerischen Architekten- und Ingenieurverein, München 1912, S. 445) an, der historische Privatgärten zum Opfer fielen.
Das gewünschte Image und die Realität der Städte klaffen häufig auseinander. Versteht sich die bayerische Landeshauptstadt München als eine wegen ihres Erholungswerts lebenswerte und grüne Stadt, so kam 2018 eine Untersuchung zu dem Schluss: „München ist nicht nur die teuerste, sondern auch die steinigste unter den 50 größten deutschen Städten. Nirgendwo sonst ist ein so großer Anteil des Stadtgebiets bebaut, betoniert oder asphaltiert.“ (FAZ, 25.10.2018) Profitieren die Gemeinden am Westufer des Starnberger Sees vom Renommee der Villenorte in privilegierter Lage, so lassen sie dennoch zu, dass denkmalgeschützte historische Villengrundstücke zunehmend parzelliert und die Gärten durch Überbauung versiegelt werden. Kurzsichtig wird so nach und nach die Grundlage der Attraktivität verspielt. Realisiert man darüber hinaus das besorgniserregende Insektensterben, das 2018 in die Schlagzeilen kam, so wird deutlich, dass das Bemühen um den Fortbestand privater, individueller Gärten auch eine existentielle Dimension annimmt, die nicht zu bestreiten ist.
Eine in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte entstandene Publikation des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege behandelt Geschichte und Bedeutung von Villengärten der Zeit von 1830 bis 1930.

Prof. Dr. IRIS LAUTERBACH ist Forschungsreferentin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und Honorarprofessorin an der Technischen Universität München.

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